Das Pastorenhaus von Trikaten (Trikāta, Lettland)
Das Pastorat Trikaten stand über lange Zeit unter dem Patronat der Livländischen Ritterschaft und gehört zu den bedeutenden historischen Pfarranlagen Nordlettlands.

Bereits im Jahr 1281 gründete der Meister des Deutschen Ordens, Konrad von Feuchtwangen, das Pastorat Trikaten. Wenig später errichtete der Deutsche Orden auch die Burg Trikaten. Ihre Ruinen befinden sich heute etwa 40 Kilometer südlich von Walk (Valka) auf einem Burghügel, der bereits vor der Ankunft des Ordens von den Letten besiedelt worden war. Die Ordensburg wurde im Großen Nordischen Krieg zerstört.
Kirche und Pastorat

St.-Johannis-Kirche in Trikaten, Quelle: Wikimedia, Autor: Marrx, CC-BY-SA-4.0
Die einschiffige St.-Johannis-Kirche wurde 1284 auf dem höchsten Punkt eines Endmoränenhügels mit Blick auf den nahe gelegenen Trikāta-See errichtet. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie mehrfach beschädigt, jedoch immer wieder aufgebaut und erneut als Gotteshaus geweiht.

Trikaten, Ansicht in 1866. Quelle: Wikimedia
Die letzten größeren Rekonstruktionsarbeiten fanden 1924 und 1938 unter der Leitung der Architekten Aleksandrs Birznieks und Pauls Kampe statt. Im Inneren der Kirche befinden sich wertvolle barocke Kunstwerke aus dem 18. Jahrhundert, darunter die Kanzel und das Relief „Christi Taufe“. Mehrere Epitaphe erinnern an früher in der Gegend ansässige Familien. Zwei Epitaphe der Familie von Transehe befinden sich in einem Zustand, der derzeit keine Restaurierung erforderlich macht.
Noch vor 1800 entstand das große zweigeschossige Pastorenhaus mit seinem Krüppelwalmdach. Seit 1990 stand das Gebäude weitgehend leer und konnte nur eingeschränkt für die Sonntagsschule und Andachten in einer als „Kapelle“ genutzten Räumlichkeit verwendet werden.
Heute steht das Pastorenhaus unter Denkmalschutz. Die Renovierungs- und Sicherungsmaßnahmen erfolgen in Abstimmung mit der Kirchengemeinde, dem zuständigen Pastor in Valmiera und den Denkmalschutzbehörden.

Erste Renovierungsmaßnahmen
Auf Anregung eines Vereinsmitglieds und dank des unermüdlichen Einsatzes der Kirchengemeinde konnten bereits 2012 mehrere Räume im Obergeschoss renoviert, die Dachrinnen erneuert und eine Eingangstür auf der Südseite eingebaut werden. Der Verein Baltische Baudenkmäler übernahm zudem die Kosten für eine weitere Eingangstür auf der Westseite.
Bei einer Besichtigung des Pastorats im Jahr 2019 wurden gemeinsam mit dem Pastor und zwei Vertretern der Kirchengemeinde weitere Maßnahmen zur Sicherung des Gebäudes und zu seiner erweiterten Nutzung vereinbart. Dazu gehörten insbesondere der Ausbau eines Raumes im Erdgeschoss zur Kapelle, die vollständige Instandsetzung der Fensterlaibungen sowie der Einbau beziehungsweise die Reparatur von Fenstern.
In Eigenarbeit erneuerten Mitglieder der Kirchengemeinde bereits den Fußboden der Kapelle. Für die meisten weiteren Arbeiten sind jedoch Fachhandwerker erforderlich.
Eine gemeinsame Verantwortung
Die historische Bedeutung des Pastorats wird auch durch seine lange Verbindung zur Livländischen Ritterschaft unterstrichen, die bis 1920 das Patronat innehatte. Danach lagen Erhalt und Nutzung des Gebäudes in den Händen der Kirchengemeinde und des lettischen Staates.
Der Verein Baltische Baudenkmäler betrachtet es als historische Verpflichtung, das Pastorenhaus durch Renovierung und Restaurierung möglichst umfassend wieder nutzbar zu machen und ihm damit einen Teil seiner früheren Bedeutung zurückzugeben.
Die begrenzte finanzielle Grundlage und das noch ausstehende Renovierungskonzept der Gemeinde stellten das Projekt vor erhebliche Herausforderungen. Unser Mitglied Bernd Leibbrandt koordinierte die einzelnen Restaurierungsmaßnahmen von Deutschland aus gemeinsam mit dem Landwirt und Bienenzüchter Jānis Repsons, einem Mitglied der Kirchengemeinde Trikāta, der den Kontakt zum zuständigen Pastor Edijs Kalekaurs in Valmiera hielt.
Auf seine Initiative hin wurden noch 2019 die Bodenplatten der Kapelle aufgrund von Feuchtigkeitsspuren entfernt. Der Boden wurde ausgekoffert, mit Splitt und Sand aufgefüllt und anschließend mit den getrockneten Platten wiederhergestellt.
Größere Maßnahmen, insbesondere die Beheizung des Erdgeschosses, in dem sich auch die Kapelle befindet, mussten bislang aufgrund fehlender finanzieller Mittel zurückgestellt werden.
Helfen Sie mit
Bitte unterstützen Sie die Gemeinde Trikāta mit Ihrer Spende an den Verein Baltische Baudenkmäler unter dem Stichwort „Trikaten“. Ihre Hilfe trägt dazu bei, das historische Pastorenhaus dauerhaft zu sichern und wieder umfassend nutzbar zu machen.
Dass eine solche Entwicklung möglich ist, zeigt das ebenfalls vom Verein unterstützte Pastorenhaus von Kusal (Kusaluu, Estland), das heute wieder für Konzerte und Tagungen genutzt wird.
(Illustration oben: Pastorat Trikaten, Quelle: Wikimedia; Autor: Ilze Dauvarte, CC-BY-SA-4.0)