Die St. Trinitatiskirche zu Libau (Liepāja, Lettland)
Die Trinitatiskirche zu Libau wurde 2018 zum Restaurierungsprojekt des Vereins Baltische Baudenkmäler. Ziel war es, drei Pforten im Westen, Norden und Süden sowie zwei weitere Türen instand zu setzen und damit das großartige Gesamtbild der Kirche wiederherzustellen.

Ein bedeutendes Baudenkmal
Die Trinitatiskirche zu Libau ist ein kulturhistorisches Zeugnis von internationaler Bedeutung und zählt zu den bemerkenswertesten Bauwerken der Stadt. Ihr Grundstein wurde am 19. Juli 1742 gelegt; am 5. Dezember 1758 konnte die Kirche eingeweiht werden. Heute steht sie als „Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit in Libau mit einem Zaun“ unter Denkmalschutz.
Die im 19. Jahrhundert erbaute Orgel ist aufgrund ihrer Größe und ihres klanglichen Umfangs weltbekannt. Noch heute finden in der Kirche Konzerte mit Werken großer Komponisten des Barock, aber auch zeitgenössischer lettischer Künstler statt; zahlreiche Aufführungen werden für Tonträger aufgenommen.
Im Inneren der Kirche befindet sich der größte Altar Lettlands mit einer Höhe von 13 Metern. Seine reiche Rokoko-Ornamentik hebt den auf Deutsch erhaltenen Bibelspruch aus dem Lukasevangelium hervor: „Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist.“ Weitere Kunstwerke, darunter die für den kurländischen Herzog Ernst Biron geschaffene Herzogsloge, die Kanzel und der Beichtstuhl, zeugen von den Zeiten der Herrschaft der Zaren. Einzigartig in ihrem Symbolgehalt sind auch die Glasfenster an der Ostseite, die nach Skizzen von Friedrich Gottlieb Spehr in Anlehnung an Motive Albrecht Dürers gestaltet wurden.
Seit 2007 ist St. Trinitatis Residenz des Bischofs der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands. Zugleich wird die Kirche von zwei Gemeinden für ihre Gottesdienste genutzt: der lettischen und der deutschen, die 1992 neu gegründet wurde.

Dreifaltigkeitskathedrale Libau. Quelle: Wikimedia, Autor: Chmee2, CC-BY-SA-3.0
Die Restaurierung der Portale
Die Restaurierung dieses bedeutenden Bauwerks ist eine gewaltige Aufgabe. Nach ersten Berechnungen aus dem Jahr 2016 sollten sich die Gesamtkosten der Maßnahmen auf rund 1,8 Millionen Euro netto belaufen, also ohne die Mehrwertsteuer von 21 Prozent. Davon wird etwa eine Million Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.
2018 erhielt der Verein Baltische Baudenkmäler Kenntnis von dem Restaurierungsvorhaben und wurde gebeten, einen Teil der Arbeiten zu übernehmen. Die Nord-, West- und Südportale einschließlich der Bogenverglasungen oberhalb der Pforten sowie eine weitere Tür auf der Nordseite sollten ausgebaut, von alten Farbschichten befreit, an den Holzteilen repariert und von Rost an den Metallbeschlägen befreit werden. Anschließend sollte der historische Farbaufbau in der Werkstatt in drei Schichten wiederhergestellt werden.
Die Denkmalpflege verlangte zudem, jeweils eine Probe der vier historischen Farbschichten sichtbar zu belassen. Dies verzögerte die Arbeiten zwar, doch zur Weihnachtszeit 2019 konnte die Kirche wieder durch die restaurierten Pforten betreten werden.
Bereits das Hauptportal auf der Turmseite ist ein einzigartiges Kunstwerk und vielleicht die beeindruckendste historische Steinskulptur Lettlands. Auf der linken Seite befindet sich die Skulptur „Glaube“, eine allegorische Frauengestalt. Die rechte Seite wird noch einige Zeit leer bleiben, denn die Skulptur „Liebe“ wurde 1996 zum Schutz vor Witterungseinflüssen in den Vorraum der Kirche verbracht. Geplant ist jedoch, sie nach Abschluss ihrer Konservierung wieder an ihren ursprünglichen Platz auf der rechten Seite der Westpforte zu stellen.
Unterstützung durch den Verein
Die ursprünglich zugesagte Kostenübernahme in Höhe von 33.000 Euro war bereits beträchtlich, wurde jedoch zu einem großen Teil durch einen Zuschuss des Bundesministeriums für Kultur gedeckt. Dadurch belief sich der Eigenanteil des Vereins zunächst auf 5.000 Euro aus den angesparten Vereinsmitteln. Im Verlauf der Arbeiten stellte sich jedoch heraus, dass auch eine Tür im Inneren der Kirche dringend restauriert werden musste. Dadurch erhöhte sich der Kostenanteil des Vereins auf rund 7.000 Euro.