Das Landeswehrdenkmal in Hinzenberg (Inčukalns, Lettland)
Der Gedenkstein in Inčukalns erinnert an die gemeinsame Geschichte von Letten und Deutschbalten und wurde 2016 feierlich enthüllt. Eingebettet in einen gepflegten kleinen Gedenkort wird er heute auch von Schulklassen besucht und steht für eine lebendige Erinnerungskultur.
Ein Ort der ersten Kämpfe um die Unabhängigkeit Lettlands
Hinzenberg (Inčukalns) nimmt einen besonderen Platz in der Geschichte der lettischen Unabhängigkeitskämpfe ein. Hier fand am 31. Dezember 1918 und 1. Januar 1919 die erste größere Schlacht der neu gegründeten Lettländischen Landeswehr gegen die vorrückende Rote Armee statt. In den Reihen der Landeswehr kämpften damals Letten, Deutschbalten und Russen gemeinsam gegen die Bolschewiki. Nach zweitägigen schweren Kämpfen mussten sich die Verteidiger zurückziehen; dennoch gelang es ihnen, den Vormarsch der Roten Armee auf Riga entscheidend zu verzögern.
Damit wurde Inčukalns zu einem symbolischen Ort für die Entstehung der lettischen Streitkräfte und für die gemeinsame Beteiligung verschiedener Bevölkerungsgruppen an den Kämpfen um die Unabhängigkeit Lettlands. Die 2016 errichtete Gedenkstätte erinnert ausdrücklich an diese erste Schlacht und an die Soldaten der Landeswehr.

Der Gedenkstein
Bei dem Denkmal handelt es sich um einen etwa 120 cm hohen Granitfindling von rund zwei Tonnen Gewicht. Seine Vorderseite weist ein über die gesamte Breite reichendes, flach geschliffenes Feld mit einer dreisprachigen Inschrift auf. Oberhalb dieses Feldes wurde das Landeswehrkreuz eingraviert und farbig gestaltet.
Ursprünglich sollte der Stein nahe dem Bahndamm aufgestellt werden, dort, wo das Gefecht mit den Bolschewiki begann. In unmittelbarer Nähe hatte die Gemeinde jedoch bereits eine Gedenkstätte für die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Deportierten geschaffen. Deshalb suchte man in Abstimmung mit dem Gemeindevorstand nach einem geeigneteren Standort.
Dem großen Einsatz des lokalen Organisators Dr. jur. Lauris Rasnačs ist es zu verdanken, dass der Gedenkstein schließlich seinen Platz in einem lichten Bestand alter Eschen fand, wenige Meter vor der ehemaligen Poststation der Gemeinde. Die Poststation dient heute als Museum des 20. Jahrhunderts, in dem eine lokale Lehrerin die Geschichte und Entwicklung von Hinzenberg (Inčukalns) darstellt.
Zum Denkmal führt ein etwa 18 Meter langer, ebenfalls mit Kies befestigter Fußweg, der sich zu einer rund fünf Meter durchmessenden, hell gekiesten Ronde öffnet. Um die dauerhafte Pflege des Denkmals zu gewährleisten, wurde es der Gemeinde Inčukalns unter Beachtung entsprechender rechtlicher Bedingungen als Geschenk überlassen.
Enthüllung und Erinnerung
Im Rahmen der Domus-Rigensis-Tage 2016 fand am 3. Juli in Anwesenheit zahlreicher Gäste aus Lettland und Deutschland die feierliche Enthüllung des Denkmals statt. Seither wird der Gedenkort regelmäßig auch von Schulklassen besucht. Die lettische Öffentlichkeit hat die Gedenkstätte freundlich aufgenommen; sie ist damit zu einem Ort geworden, an dem Letten und Deutschbalten gemeinsam ihrer Geschichte gedenken.

Wer Inčukalns besucht, sollte sein Fahrzeug in der breiten, zum Gemeindehaus gehörenden Parkbucht abstellen. Von dort sind es nur wenige Schritte über die Straße bis zum gekiesten Fußweg, der zum Denkmal führt.