Schloss Groß-Roop
Schloss Groß-Roop (lett. Lielstraupes pils) liegt in Straupe im nördlichen Lettland, in der historischen Region Livland, heute Vidzeme. Die Anlage geht auf eine mittelalterliche Burg des Erzbistums Riga zurück. Das Gebiet um Straupe gehörte seit dem frühen 13. Jahrhundert zum Bistum Riga; Ende des 13. Jahrhunderts befand es sich als erzbischöfliches Lehen im Besitz des livländischen Adelsgeschlechts von Rosen. Die erste urkundliche Erwähnung einer Burg in Roop stammt aus dem Jahr 1310. Die Familie von Rosen gehörte über Jahrhunderte zu den bedeutendsten Vasallen des Rigaer Erzbischofs und blieb eng mit Groß-Roop verbunden.

Im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts wurde die ursprüngliche Burganlage erweitert. Um 1500 entstand ein Wohnflügel, gleichzeitig wurde die gotische Schlosskirche errichtet und in das Befestigungssystem integriert. Nach schweren Beschädigungen während der Nordischen Kriege und einem Brand im Jahr 1684 wurde die Anlage mehrfach wiederhergestellt. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gelangte Groß-Roop an die Familie von Stackelberg.
Nach dem Großen Nordischen Krieg erwarb Graf Peter von Lacy die beschädigte Anlage und ließ sie bis 1743 umfassend wiederauf- und umbauen. In dieser Zeit erhielt Groß-Roop sein bis heute prägendes barockes Erscheinungsbild: Der mittelalterliche Burgturm bekam eine geschweifte Haube, der Wohnflügel einen Schweifgiebel und der Innenhof ein neues repräsentatives Portal. Auch die Schlosskirche wurde in ihre heutige Form umgestaltet. 1857 gelangte Groß-Roop nach langen Bemühungen wieder in den Besitz der Familie von Rosen; 1866 wurde der Besitz zum Familienfideikommiss.

Groß-Roop, ein Bild aus dem Jahr 1778
Eine entscheidende Zäsur bildete der Brand im Dezember 1905 während der Russischen Revolution. Das Schloss wurde dabei schwer beschädigt. Der damalige Eigentümer, Freiherr Hans von Rosen, beauftragte den aus Riga stammenden Architekten Wilhelm Bockslaff mit dem Wiederaufbau. Zwischen 1906 und 1909 wurde die Anlage nach wissenschaftlichen Grundsätzen restauriert. Zerstörte historische Elemente, darunter die Stuckdecken und die große barocke Eichentreppe, wurden möglichst originalgetreu rekonstruiert. Gleichzeitig wurden einige neue Bauteile ergänzt. Die Arbeiten gelten als eine der ersten Restaurierungen in Lettland, die systematisch nach wissenschaftlichen denkmalpflegerischen Grundsätzen durchgeführt wurden.
Mit der lettischen Agrarreform von 1920 wurde Hans von Rosen als Großgrundbesitzer enteignet. Ihm verblieb lediglich ein kleiner Teil des früheren Besitzes, darunter das Schloss, in dem er bis zu seiner Umsiedlung 1939 wohnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage zunächst als Traktorenwerkstatt genutzt, ab 1963 als staatliche Klinik. Renovierungsarbeiten fanden nochmals zwischen 1966 und 1970 statt; Ende 2017 musste die Klinik wegen des schlechten baulichen Zustands geschlossen werden.

Heute steht das Schloss weitgehend leer. Der Schlosspark und der Innenhof sind jedoch öffentlich zugänglich. Die Anlage ist seit dem 16. Dezember 1998 als staatlich geschütztes Kulturdenkmal eingetragen. Zu den erhaltenen historischen Elementen gehören neben den mittelalterlichen Bauteilen und dem barocken Schloss auch die gotische Schlosskirche und der Landschaftspark.

1 Lats, silberne Gedenkmünze der Bank von Lettland mit Schloss Groß-Roop, 2006 (Quelle)