Beispiel baltisch-deutscher Holzarchitektur mit viel Potenzial wird aktuell „wachgeküsst“
Das Herrenhaus des Gutes Ālave in der idyllischen Landschaft Zemgale in Lettland ist voller Leben – mit Kultur- und Bildungsangeboten. Die lokale Bevölkerung ist hoch engagiert, das Projekt stärkt somit das kulturelle Leben im ländlichen Raum. Es ist ein seltenes Beispiel baltisch-deutscher Holzarchitektur, an dem viel Originalsubstanz erhalten geblieben ist. Dennoch ist der Sanierungsbedarf hoch. Schäden am Dach und der tragenden Wand sind die größten Herausforderungen.
„Alave ist ein fabelhafter Ort. Ein Ort, der immer noch seine Hunderte von romantischen Geschichten versteckt.
Die bösartige Prinzessin beginnt nach einem 100-jährigen Schlaf aufzuwachen. Wir müssen das Erwachen verschieben, um uns anzuschließen und unbeschreiblich schöne Veränderungen zu genießen." (Architekt Ēriks Cērpiņš.)
Die Poesie trifft den Zustand des Herrenhauses des Gutes Ālave treffend: Es ist ein außergewöhnliches Baudenkmal (Nr. 4955) in der lettischen Gemeinde Penkule, das viele Jahrzehnte fast dem Vergessen anheimgefallen war und heute behutsam wiederbelebt wird. Penkule liegt in einer weiten Tiefebene südlich von Riga, die seit dem Mittelalter als fruchtbares Agrarland bekannt ist.
Das Herrenhaus wird aktiv genutzt mit Ausstellungen und weiteren Kulturveranstaltungen, es gibt Bildungsangebote wie etwa Workshops sowie Führungen und Gemeinschaftsveranstaltungen. Die lokale Bevölkerung beteiligt sich ehrenamtlich. Das Projekt stärkt somit das kulturelle Leben im ländlichen Raum.
Historische Bedeutung
Das Herrenhaus zählt zu den wenigen noch erhaltenen Gutshäusern dieser Art in der Region. Seine historische Bedeutung: Es ist ein seltenes Beispiel baltisch-deutscher Holzarchitektur. In Zemgale sind nur etwa 14 vergleichbare Objekte erhalten, lediglich sieben stehen unter Denkmalschutz. Es ist ein großer Anteil originaler Bausubstanz erhalten. Es gilt als ein bedeutender Teil des gemeinsamen europäischen Erbes.
Herausforderungen
Kommen wir zum aktuellen Zustand. Das Gebäude befindet sich in einem kritischen baulichen Zustand: schwere Schäden nach einem Sturm im Jahr 2023, die Dachkonstruktion ist akut gefährdet, eine tragende Wand ist instabil und Decken haben sich teilweise abgesenkt. Es droht der Verlust wesentlicher historischer Substanz.
Ziel für das Jahr 2026 ist, die Dachkonstruktion zu restaurieren und die Eindeckung zu erneuern. Die tragende Wand muss stabilisiert werden. Die Arbeiten in diesem mittlerweile vierten Bauabschnitt erfolgen denkmalgerecht mit traditionellen Materialien und Techniken. Der Fokus liegt auf dem Erhalt der Originalsubstanz.
Engagement vor Ort
Der gemeinnützige Verein „Penkulē atver durvis“ (Penkule öffnet seine Türen) engagiert sich für die schrittweise Restaurierung und Belebung des Areals. Das Herrenhaus trägt offiziell noch den Status „Ruine“, doch der Verein arbeitet kontinuierlich an seiner Instandsetzung und der Pflege des umgebenden Gutsparks. Der beherbergt 35 Baum- und Straucharten, darunter 22 nicht heimische Gehölze – ein botanisches Erbe der Gutszeit, das für sich allein schon Denkmalcharakter besitzt.
Das Gebäude wird für Kulturveranstaltungen und Bildungsangebote genutzt.