Johanniskirche Dorpat (Tartu, Estland)
Die Johanniskirche in Dorpat (Tartu) gehört mit ihren außergewöhnlich reichen Terrakottaskulpturen zu den bedeutendsten mittelalterlichen Baudenkmälern Estlands. Die Kirche ist in dieser Form ein einzigartiges Zeugnis mittelalterlicher Bau- und Bildhauerkunst in Europa. Mit ihrem markanten Turmhelm prägt sie bis heute das Stadtbild von Tartu.
Nach rund 15 Jahren umfangreicher Restaurierungsarbeiten wurde die Johanniskirche 2005 mit einem feierlichen Gottesdienst wieder eingeweiht. An der Feier nahmen auch die Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Estland teil. Rund 90 Prozent der Restaurierungsarbeiten waren in den letzten sechs Jahren vor der Wiedereinweihung durchgeführt worden.
Heute wird die Kirche von der Stiftung Johanniskirche (Sihtasutus Jaani Kirik) betreut. Eigentümer ist die Kirchengemeinde der Johanniskirche, die mit der früheren Gemeinde der Universitätskirche vereinigt wurde.
Schwerpunkte des Engagements
Der Verein Baltische Baudenkmäler unterstützt den Erhalt der Johanniskirche insbesondere in folgenden Bereichen:
- Restaurierung und Konservierung der mittelalterlichen Terrakottaskulpturen
- Rekonstruktion verlorener Terrakottaskulpturen für die Außenfassade
- Herstellung und Restaurierung von Gedenktafeln
- Beleuchtung der Terrakottaskulpturen zur besseren öffentlichen Wahrnehmung
- Beschaffung einer für das Kirchengebäude geeigneten Orgel
Die Terrakottaskulpturen
Bereits Mitte der 1990er-Jahre nahm Nils Hollberg Kontakt mit der Kunsthistorikerin und Restauratorin Eve Alttoa auf, um Möglichkeiten für die Restaurierung beziehungsweise Rekonstruktion der Terrakottaköpfe an der Außenfassade zu erörtern. Dabei konnten historische Fotografien aus dem Besitz ihres Ehemanns Kaur Alttoa, eines Kunsthistorikers, Fotografen und Publizisten, als Grundlage für die Rekonstruktion dienen.
Zur Finanzierung der Arbeiten entwickelte Hollberg ein Patenschaftsmodell: In deutschbaltischen Periodika wurden Patenschaften für einzelne Terrakottaköpfe angeboten. Damit sollte nicht nur die Finanzierung gesichert, sondern zugleich eine persönliche Verbindung zwischen den Spendern und der Johanniskirche geschaffen werden.
Ab 2003 fertigte Eve Alttoa in einer eigens eingerichteten Werkstatt Kopien der verlorenen Köpfe an. Die Herstellung erwies sich als technisch anspruchsvoll, da ein erheblicher Teil der neu gefertigten Skulpturen den Brennvorgang nicht unbeschädigt überstand. Später wurden die Arbeiten von den aus Tallinn stammenden Künstlern und Restauratoren Isabel und Ales Zahradnikov fortgeführt.
Von den 159 nicht mehr restaurierbaren Originalen wurden die erhaltenen Fragmente konserviert und im Kircheninneren an der Nordwand aufbewahrt. Damit bleibt auch dieses Fragment der ursprünglichen Ausstattung als historisches Zeugnis erhalten.
Weitere Unterstützung
Der Verein Baltische Baudenkmäler setzte sich außerdem für eine angemessene Beleuchtung der Terrakottaskulpturen ein, damit diese auch von außen gut sichtbar bleiben. Bei der Planung müssen die denkmalrechtlichen Anforderungen berücksichtigt werden.
Auch die musikalische Nutzung der Kirche spielt eine wichtige Rolle für ihre langfristige Erhaltung. Eine geeignete Orgel ermöglicht Konzerte und andere Veranstaltungen und kann damit zugleich zur Finanzierung des weiteren Unterhalts der Kirche beitragen. Für die Beschaffung einer Orgel konnte inzwischen die Unterstützung einer estnischen Stiftung gemeinsam mit der Stadt Lüneburg gewonnen werden.
Wenn Sie Interesse am Projekt "Eine neue Orgel für Johannis" haben, wenden Sie sich bitte an Klaus Bockslaff, den Vorsitzenden unseres Vereins.